Seit 25 Jahren Hilfe für werdende Mütter
Manchmal fühlt sich Mechtild Herder in die Zeit zurückversetzt, als alles anfing: Vor 25 Jahren waren bezahlbare Wohnungen Mangelware, erst recht für schwangere Frauen oder Mütter, die ohne Partner und Unterstützung zurecht kommen mussten. Das war ein Punkt, an dem Mechtild Herder und andere Frauen ansetzten, als sie 1984 den "Helferkreis für werdende Mütter in Bedrängnis" gründeten. Mittlerweile heißt der Verein "Helferkreis für Mutter und Kind" und es hat sich viel verändert. Doch die Wohnungsfrage spitzt sich wieder zu – wie damals.
Darum ist ihr Wunsch zum Jubiläum: Mehr Vermieter, die sich mit gemäßigten Mieten begnügen. Darauf hoffen Tony Otten, Mechtild Herder und Hildegard Büchner – drei von derzeit 15 Aktiven im Alter zwischen Anfang 50 und 73. Denn die Wartelisten auf Sozialwohnungen sind lang, zudem verlieren einige ihre Mietpreisbindung. Der Helferkreis versucht zu reagieren, mit fünf Zweizimmerwohnungen und drei spontan belegbaren Zimmern, doch das sind nur Übergangslösungen. Es waren mal mehr, in Spitzenzeiten hatten sie 18 Frauen und 23 Kinder untergebracht, danach entspannte es sich Anfang der 1990er Jahre.
Zurzeit spitzt sich nicht nur die Wohnungsfrage zu. Seit der Einführung von "Hartz IV" werden die Helferinnen generell mit zunehmender Armut konfrontiert. Da kommt es vor, dass eine Mutter vorbeischaut, die gerade noch 50 Cent für ein ganzes Wochenende hat – und eine Windel für zwei Kinder, erzählt Hildegard Büchner. In solchen Fällen springt der Helferkreis unbürokratisch mit Darlehen ein, auch wenn die manchmal nie zurückbezahlt werden können. Denn die offizielle Unterstützung hat ihre Haken – "Hartz-IV"-Eltern bekommen kein Kindergeld, Zuschüsse sind abgeschafft und alles laufe "unglaublich bürokratisch". Und obwohl alleinerziehende Frauen heute im Vergleich zu früher viel selbstbewusster auftreten und auch Ämtergänge meist ohne große Schwellenängste antreten, würden sie bei der Arge häufig "sehr gedemütigt", bilanziert Tony Otten.
Mit Armut hatte der Helferkreis immer zu tun, hier hat er seinen Ursprung. Mechtild Herder und einige Mitstreiterinnen taten sich 1984 zusammen, um Schwangere zu unterstützen, die aus finanziellen Gründen an Abtreibung dachten – mitten in der Zeit der Diskussionen um den Paragrafen 218 ein brisantes Thema. Im ersten Jahr kamen 20 Frauen, bald aber mehr. Mittlerweile hat es sich bei 90 Frauen im Jahr eingependelt. Die erste Zeit trafen die Helferinnen die Frauen in Cafés und führten die Gespräche über Privattelefone. Dann bekamen sie vom Erzbischöflichen Ordinariat eine leere Wohnung, später das ganze Haus in der Kartäuserstraße 64a. Und es entstand – mit verschiedenen Kooperationspartnern – immer mehr: Neben der Kleiderkammer, die außer Babykleidung auch Kinderwagen vermittelt, gibt’s mittlerweile das "Haus des Lebens" in der Immentalstraße für junge Mütter, das "Kindernest" für Kinderbetreuung und das "Moses-Projekt" für Frauen, die eine anonyme Geburt planen. Auch wenn klar ist, dass die Helferkreis-Frauen Abtreibungen verhindern wollen: In allen Beratungsgesprächen haben sie den Anspruch an sich, die Entscheidung der Frau zu respektieren.


